Far Cry Primal PC PS4 ONE

Far Cry Primal: Preview

Im Jahre 2012 konnte bei Ubisoft wohl noch niemand ahnen, zu welchem Überraschungs-Hit sich das damals veröffentlichte Far Cry 3 entwickeln sollte. Nachdem der vier Jahre zuvor erschienene zweite Teil weniger euphorisch von der Spielerschaft angenommen wurde, nahmen Publisher und Entwickler die damals geäußerte Kritik ernst und schufen daraufhin ein neues Spielerlebnis. Mit der riesigen Spielwelt und dem überarbeiteten Spielkonzept begeisterten sie nicht nur Freunde von Sandbox-Games und etablierten somit die Far-Cry-Serie prompt wieder im Zocker-Alltag. Nach dem ebenso erfolgreichen und beliebten vierten Teil möchte Ubisoft anscheinend abermals seine Vielfältigkeit unter Beweis stellen und verlagert das aktuelle Werk namens Far Cry Primal in die Steinzeit. Wie sich ein Far Cry ohne technischen Schnickschnack anfühlt, durften wir letzte Woche bei einem Besuch in Berlin in Erfahrung bringen.

10.000 B.C.

In Far Cry Primal verschlägt es uns in ein erfrischendes und unverbrauchtes Setting – nämlich in die Mittelsteinzeit, circa 10.000 Jahre vor Beginn unserer Zeitrechnung. Wir schlüpfen in die Rolle eines Kriegers namens Takkar, welcher in einer fiktiven Urzeitwelt namens Oro lebt. Und im Vergleich zu Inselabenteuern sowie Himalaya-Exkursionen wird von der ersten Spielminute an kommuniziert: hier geht es nicht um Rache oder Ehrerweisung, sondern ums pure Überleben. So steigen wir unmittelbar ins Geschehen ein, indem wir uns, nur mit einem Speer bewaffnet, mit einigen anderen Mitgliedern unseres kleinen Stammes zwischen einer Mammutherde auf die Lauer legen. Gemäß des evolutionären Gesetzes des Stärkeren werden wir jedoch schnell mit der Raubeinigkeit der damaligen Zeit konfrontiert und müssen uns alsbald allein und verletzt in der Wildnis von Oro zurechtfinden.

Far Cry Primal Bild

Schnell offenbaren sich uns erste altbekannte Gameplay-Elemente, die jedoch dezent, aber gleichzeitig auch sehr sinnvoll erweitert wurden. So beginnen wir damit, die Natur nach grünen Kräuterpflanzen zu durchstreifen, um uns anschließend ein Heilmittel daraus herstellen zu können. Doch in Oro gibt die Umgebung noch viel mehr her. Wir sammeln beispielsweise Schilfrohr und Zweige und fertigen uns daraus auf Knopfdruck einen Bogen, oder basteln uns mithilfe von Holz und Steinen eine schlagkräftige Keule. Mit handgemachter Bewaffnung geht es nun mit Nahrungs- und Unterkunftssuche weiter voran. Wie auch bereits aus den Vorgängerteilen bekannt, können wir Wildtiere aufspüren und erlegen, um anschließend weitere Ressourcen aus ihnen zu gewinnen, mithilfe welcher wir dann wiederrum beispielsweise durch ein Upgrade unseres Beutels die Inventargröße erweitern können.

Aufgrund der völlig abstinenten Komponente der technischen Spielereien bekommt der ausgebaute Crafting-Aspekt in Far Cry Primal zu Recht ein größeres Gewicht. So erweisen sich beispielsweise direkte Konfrontationen, die man nur mithilfe eines Bogens mit nicht mehr als acht Pfeilen oder einer schwerfälligen Keule bestreiten muss, als ziemlich fordernd. Wer dann schon fleißig Komponenten gesammelt und seine Pfeile für bessere Flugeigenschaften mit Federn versehen oder seine Keule mit Tierknochen durchschlagskräftiger gemacht hat, kann sich das (Über-)Leben in der Steinzeit so etwas leichter machen.

Bestienmeister

Doch nicht nur innerhalb der Inventarverwaltung darf gebastelt und gebaut werden. So treffen wir im Laufe unserer Streifzüge auf eine Ohren sammelnde junge Dame, die ihr Lager in einer geräumigen Höhle aufgeschlagen hat und gerne bereit ist, ihren sicheren Rückzugsort mit uns und potenziell anderen zu teilen. In ebenfalls altbekannter Quest-Manier ist es nun an uns, durch Oro zu ziehen, die Welt zu erschließen und unser eben gegründetes Dorf unter herumstreifenden und hilfebedürftigen Ureinwohnern bekannt zu machen. Dies erfolgt ebenfalls in bester Far-Cry-Manier, indem wir beispielweise Leuchtfeuer entzünden oder potenzielle Bewohner unseres Dorfes vor wilden Tieren und feindlichen Stämmen beschützen. Mit steigender Zahl der absolvierten Rettungs- und Hilfsmissionen steigt natürlich auch die Population in unserer ehemals leeren Höhle.

Der Dorfbau erweist sich zwar als eine schöne und motivierende neue Komponente im Spielgeschehen, die Crafting-Möglichkeiten gehen in dieser Hinsicht leider nicht sonderlich in die Tiefe. Wer beispielsweise aktuell in Fallout 4 fleißig Stein um Stein Siedlungen baut, wird von der Einfachheit des Dorfbausystems in Far Cry Primal wohl eher enttäuscht sein. Die Handlungsmöglichkeiten beschränken sich hier nämlich abermals auf das ausreichende Sammeln von Ressourcen, um diese an fest vorgegebenen Stellen in Gebäude-Upgrades zu investieren (die Renovierung von Ghales Haus in Far Cry 4 funktionierte nach dem gleichen Prinzip, jedoch mit der Investition von Geld). Trotz der fehlenden Tiefe machte es uns in den wenigen Spielstunden, die wir bereits in Oro verbringen durften, viel Freude, unser Dorf wachsen zu sehen und uns im Rahmen der Möglichkeiten daran zu beteiligen.

Far Cry Primal Bild

In einem Far Cry darf aber natürlich auch ein entsprechender Anteil an Action- und Abenteuercharakter nicht fehlen. Da man aus naheliegenden Gründen im Setting der Steinzeit auf die Nutzung bekannter Spaßmacher à la Granatwerfer, Harpune, Jetski, Gyrokopter etc. verzichten sollte, fehlt dem Titel – trotz Takkars herausragender Kondition und der Fähigkeit, ohne Ausdauerverlust zu sprinten – die aus den Vorgängern gewohnte Dynamik. Doch auch hier haben sich die Macher eine tolle Alternative überlegt, um den Spielfluss zu bereichern. So entdeckt man bereits recht früh im Spiel seine Fähigkeit, eine Bindung mit Wildtieren einzugehen. Mit Fleischködern und Streicheleinheiten können wir somit fast 20 verschiedene Tiere zähmen und diese sogar taktisch in das Kampfgeschehen integrieren.

So ist Oro natürlich nicht nur von friedlich lebenden Stämmen bevölkert. Auch aggressive und grobschlächtige Menschenfresser und ein sektenähnlicher Feuerkult durchstreifen die Wildnis. Der letztgenannte Stamm, die Izila genannt, vermittelt den Eindruck, abermals einen für die Far-Cry-Serie mittlerweile fast typischen eindrucksvollen und im Gedächtnis bleibenden Oberbösewicht auf die Gegenseite zu stellen. Auf dem Weg zur Stammesführerin der Izila gibt es natürlich auch zahlreiche Camps zu befreien, was vor allem mit der Fähigkeit des Bestienmeisters großen Spaß gemacht hat. So "sniperten" wir mit unserer Eule allein herumstehende Gegner von ihren Posten, ließen unseren Luchs das Camp nach Gegenständen absuchen oder uns von unserem aufmerksamen Wolf rechtzeitig vor herannahenden Gegnern warnen.

Ersteindruck von Jessica Rehse

Zuerst eines vorweg: Ich bin Sandbox-Spielen grundsätzlich gegenüber immer erst einmal skeptisch. In vielen Vertretern dieses Genres geht mir die Spiel- und oftmals auch Storytiefe zulasten der spielerischen Freiheit verloren. Da ich auf Ersteres jedoch sehr viel Wert lege, empfinde ich den jeweiligen "roten Faden" oftmals als zu lose, als dass er mich bei der Stange halten könnte. So erging es mir tatsächlich anfänglich auch mit Far Cry 3, doch mit zunehmenden Spielstunden gefiel mir die Spielkonzeption immer besser – was wohl auch an dem großartigen Antagonisten gelegen haben könnte –, und ich fand keine Ruhe, bis ich nicht jeden Winkel abgesucht und jede Mission absolviert hatte. Auch Far Cry 4 habe ich danach ausdauernd und begeistert gespielt, auch wenn es sich für mich nur wie eine riesige Erweiterung des Vorgängers anfühlte.

Auch deswegen bewundere ich Ubisofts Schritt, Far Cry Primal in die Steinzeit verlegt zu haben und dabei den Spagat zu wagen, vieles anders machen zu müssen, ohne dabei jedoch das typische Spielgefühl der letzten Far-Cry-Teile zu verfälschen. Bei dieser Bewertung könnten und werden sich wohl auch einige Geister scheiden. Doch nach den ersten Spielstunden möchte ich bereits behaupten, dass dieses Vorhaben wunderbar gelungen sein dürfte. Ich freue mich sehr darauf, die virtuelle Urzeit erkunden zu dürfen!

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Far Cry Primal Facts

  • GenreAction: 3D-Shooter
  • Release1. März 2016
  • KaufenAmazon
  • EntwicklerUbisoft
  • PublisherUbisoft
  • USKFreigegeben ab 16 Jahren
  • PEGI18+
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