Jack Keane und das Auge des Schicksals PC

Kurztest: Jack Keane II

Deck13 Interactive entsendet Jack Keane in ein zweites Abenteuer. Ein solides Adventure, das leider an die Grösse seines Vorgängers nicht mehr heranreichen kann.


Jack Keane und das Auge des Schicksals beginnt auf einer chinesischen Gefängnisinsel. Keane sitzt mit einem Schamanen auf einer Zelle, der ihm kurz vor dem Tod vom mächtigen Schatz Ukumba erzählt. Ein guter Grund für einen Fluchtversuch, der letztlich dank der blonden Texanerin Amanda gelingt. Die nachfolgende Reise führt euch nach Deutschland, Afrika und in surreale Traumwelten, die Hinweise auf den Verbleib des Schatzes liefern. Als Gegenspieler tritt der stinkreiche Geschäftsmann Umbati mit seinen kriminellen Handlangern in Erscheinung und bringt die Helden nicht nur einmal in gefährliche Situationen.

Rätseltechnisch wird meist einfach gestrickte Kost geboten. So scheuchen wir in der Rolle von Amanda halbnackte Wärter durch einen Duschraum, um sie in eine Sauna zu sperren. An anderer Stelle absolvieren wir als Jack ein Donkey Kong-ähnliches Minispiel und die eine oder andere (ungenaue) Sprungpassage. Verfolgungsjagden, Logikpuzzles und klassische Dialogrätsel stehen ausserdem auf der Agenda. Mit dem Gewehr, das Amanda stets dabei hat, dürfen wir stellenweise explosive Fässer in die Luft jagen und anderen Schabernack treiben. Cool! Doch wurde hier auch viel Potenzial verspielt, denn zielen wir etwa mit dem Fadenkreuz auf einen Blinden, kommt nicht irgendein zynischer oder lustiger Kommentar. Stattdessen nerven Jack und Amanda häufig mit sich wiederholenden Standardsprüchen wie "Hmm" oder "Hättest du gern!". Da reichte wohl das Entwicklungsbudget nicht mehr für eine grössere Vielfalt. Schade.

Jack Keane und das Auge des Schicksals Bild

Langweilig und nervtötend sind auch diverse Kampfeinlagen, die es im Spielverlauf zu bewältigen gilt. Sie laufen rundenweise ab und erfordern das Erlernen von Angriffs- sowie Verteidigungsmanövern. Zwar gibt es keinen endgültigen Bildschirmtod, doch müsst ihr diese uninspirierten, schlecht animierten Kämpfe zwingend über euch ergehen lassen. Blöd auch, dass das Rätseldesign manchmal wenig durchdacht ist und beispielsweise die Bestückung einer Kanone in falscher Reihenfolge erlaubt, ohne dass es seitens der Spielfigur einen entsprechenden Hinweis gibt. Im Testverlauf dachten wir schon an einen Fehler, doch konnten wir die Aufgabe durch zufälliges Herumprobieren letztlich lösen. Überhaupt wirkt das Spiel nicht ganz ausgereift. Die 3D-Umgebung sorgt je nach automatischer Kamera-Einstellung dafür, dass wichtige Objekte teils von anderen Dingen verdeckt werden. Manchmal ist sogar ein Hotspot-Text zu einem Gegenstand sichtbar, der erstens ausserhalb des aktuellen Raumes liegt und zweitens noch gar nicht da sein dürfte. Sehr irritierend.

Auf audiovisueller Seite dürfen wir die meist hübsch texturierten Schauplätze loben, die mit Licht-, Schatten- und Raucheffekten für ein stimmiges Gesamtbild sorgen. Besonders eine afrikanische Oase glänzt in optischer Hinsicht und wartet etwa mit einer toll animierten Elefantenherde auf. Die menschlichen Charaktere sind gut modelliert, bewegen sich allerdings bei Gesprächen eher unglaubwürdig. Es mangelt an passender Mimik und Gestik. Schade, denn die deutsche Sprachausgabe ist meist lippensynchron und durchaus gut gelungen, wenn auch stellenweise die Betonungen nicht passen. Ausserdem stört es, dass Chinesen und afrikanische Eingeborene teils akzentfreies Hochdeutsch brabbeln. Wäre eine glaubwürdigere Vertonung in diesem Bereich wirklich so schwierig umzusetzen gewesen?



Fazit von Daniel Boll

Wer den ersten Teil kennt und liebt, kann vom Nachfolger eigentlich nur enttäuscht werden. "Von allem etwas weniger", so lautete offenbar die Devise bei der Entwicklung. Weniger zündende Gags, weniger durchdachte, abwechslungsreiche und anspruchsvolle Rätsel. Dafür gibt's neue Spiel-Elemente, die die Spieldauer unnötig in die Länge ziehen und einfach langweilig gestaltet wurden. Sei es die unpräzise Springerei, bei der man gerne an unsichtbaren Hindernissen hängenbleibt oder irgendwo herunterfällt. Seien es die unsäglichen Prügeleinlagen, die mir mehr als einmal die Motivation zum Weiterzocken fast vermiesten. Nicht zu vergessen die nervige Lauferei, vor allem bei ausgefalleneren, dialogbasierten Aufgaben, die einen mehrmaligen Neubeginn samt Szenenwechseln erfordern.

Aber es gibt nicht nur Grund zum Meckern. Die meisten Rätsel sind immerhin solide gestrickt worden. Anspruchsarm, ja - aber dafür einsteigerfreundlich. Ausserdem versprüht das Spiel mit seinen witzigen Dialogen sowie sympathischen Charakteren gute Laune und hat sogar eine Art Liebesgeschichte inklusive Zickenterror zu bieten. Für sich alleine betrachtet ist das Adventure also technisch wie spielerisch durchaus solide. Im Schatten seines kongenialen Vorgängers verblasst es allerdings - und als Fan wünscht man sich, dass es in dieser Form lieber gar nicht erst veröffentlicht worden wäre.

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