Jack Keane und das Auge des Schicksals PC

Jack Keane und das Auge des Schicksals: First Look

Schon zur Veröffentlichung 2007 stand für Entwickler Deck13 Interactive fest, dass das Adventure Jack Keane keine Eintagsfliege bleiben sollte. Doch die Pleite von Publisher 10tacle Studios verhinderte ein Sequel und sorgte dafür, dass erst fünf Jahre danach mit Jack Keane und das Auge des Schicksals ein waschechter Nachfolger erscheinen wird. Mit viel Charme, Witz und Klamauk will uns die in Frankfurt ansässige Spieleschmiede mitteilen: "Jack is back!" Wir konnten uns zwei Monate vor der Veröffentlichung bereits vor Ort einen Eindruck von dem Spiel machen.

Eine Reise, die ist lustig ...

Unser Abenteurer Jack Keane sitzt mal wieder in der Patsche. Durch einen dummen Zufall sitzt der Weltenbummler und anerkannte Schatzjäger in einem Gefängnis in Shanghai fest. Sein Zellengenosse, ein betagter Schamane, sorgt mit seinen Äusserungen jedoch dafür, dass Jacks Schatzsucher-Augen zum Glühen gebracht werden, denn kurz vor dem Tod verrät er Jack, dass er der Hüter eines Schatzes sei. Jedoch handelt es sich dabei nicht um Reichtümer irgendeines dahergelaufenen Piraten, der sein Hab und Gut auf einer einsamen Insel vergraben hat, und auch das Azteken- oder das Nazigold ist nicht gemeint, schliesslich befinden wir uns erst im Jahre 1899. Vielmehr handelt es sich hierbei um den Schatz überhaupt. Dummerweise ist Jacks alter Bekannter und Oberbösewicht Umbati auch an den Geheimnissen und Kostbarkeiten des Schatzes interessiert, welcher der Sage nach zu Ruhm und Weltherrschaft führen könnte. Es kommt, wie es kommt. Der Schamane segnet nach diesen Worten tatsächlich das Zeitliche und lässt unseren Titelhelden mit staunenden Augen und neu gewecktem Abenteuergeist zurück.

Jack Keane und das Auge des Schicksals Bild

So mysteriös die Geschichte von Jack Keane und das Auge des Schicksals beginnt, so actionreich geht's weiter. Entwickler Deck13 hat sich auf die Fahne geschrieben, mit dem zweiten Jack Keane-Abenteuer ein wahres Actionfeuerwerk abzufeuern. So erwarten euch nicht nur ganz klassische Rätseleinlagen, sondern neuerdings auch jede Menge Actionsequenzen und kniffelige Minispiele. Doch bevor Jack seine Reise aufnehmen kann, muss er zunächst einmal das chinesische Verlies verlassen. Äussererst praktisch ist dabei, dass die englische Royal Navy gleich im Hafen vor Anker liegt. Mittels eines Spiegels, den ihr euch nach allen Regeln der Adventure-Kunst natürlich erst zusammenbauen müsst, könnt ihr dem Navy-Kommandanten lustige oder wenige amüsante Morsecodes übermitteln. Entweder provoziert ihr die Schiffscrew mit fiesen Engländerwitzen so sehr, dass sie das Feuer auf eure Gefängniszelle eröffnen, oder ihr fahrt die Mitleidstour und morst "Armer Engländer unrechtmässig in Not". So oder so, in Jack Keane II hat Entwickler Deck13 darauf geachtet, dass ihr immer mal wieder ein Rätsel auf unterschiedliche Art und Weise lösen könnt. Zwar entwickeln sich daraus keine gänzlich anderen Handlungsstränge, trotzdem erhöht dies die Abwechslung und den Wiederspielbarkeitswert enorm.

Zickenkrieg und Liebeskummer

Offen und ehrlich gibt Deck13 zu, dass man sich auch für den Nachfolger von zahlreichen Filmen, insbesondere sei hier natürlich Indiana Jones genannt, hat inspirieren lassen. Deshalb darf auch die für dieses Genre typische Weltreise nicht fehlen. Neben Shanghai besucht ihr unter anderem Deutschland, Ägypten und Zentralafrika. Ausserdem erklimmt ihr den Kilimandscharo. Natürlich werdet ihr nicht alleine die weite Reise bestreiten müssen, denn Jacks alte Bekannte Amanda mischt mit ihrem Cowgirl-Temperament den guten Jack wieder mächtig auf. Im Laufe der Geschichte schliessen sich euch noch die hochfeine Stadtdame Eve sowie der deutsche Ingenieur Carl an. Auch der aus dem Vorgänger bekannte Gorilla bekommt wieder eine kleine Nebenrolle spendiert. Natürlich kommt es zwischen Eve und Amanda zu kleineren Reibereien, da beide ein Auge auf den glücklichen Jack geworfen haben. Doch auch Carl macht Amanda schöne Augen.

Diese Sticheleien sind natürlich vom Entwicklerteam gewollt und werden auch dementsprechend ins Gameplay eingebunden. So müsst ihr euch in bestimmten Situationen immer mal wieder zwischen Eve und Amanda entscheiden. Dies hat schliesslich nicht nur Auswirkungen auf das Ende von Jack Keane II - wobei es ein zentrales Ende mit unterschiedlichen Facetten geben wird - sondern auch auf ganze Abschnitte des Spiels. In einer Höhle müsst ihr beispielsweise entscheiden, ob Amanda mit ihrem Gewehr auf einige nervenaufreibende Fledermäuse schiesst und sie eventuell ein Tier töten muss, oder ob nicht lieber Eve mit ihrer Kamera die lästigen Viecher via Blitzlicht vertreiben kann. Gleich darauf erwartet euch die nächste kniffelige Aufgabe. Alle vier müssen eine ziemlich brüchige Brücke über einen Abhang überqueren. Jedoch haben die beiden Frauen Angst in der Dunkelheit, so dass ihr sie als tapferer Held einzeln hinübergeleiten müsst. Die Schwierigkeit besteht jedoch darin, dass ihr euch genau überlegen müsst, wer zunächst zurückbleibt. Natürlich fangen die beiden Mädels alleine gleich an zu streiten, während Carl und Amanda, sobald sie alleine gelassen werden, gleich zu Jacks Missfallen anfangen zu flirten. Eine ziemlich verzwickte Situation. Ab und zu müsst ihr euch auch für das weitere Fortkommen im Level zwischen Eve und Amanda entscheiden. So könnt ihr beispielsweise auf unterschiedliches Inventar zurückgreifen, wenn ihr mit Eve oder Amanda den Kilimandscharo erklimmt.

Schwierigkeit schaltet einen Gang höher

Da in der Vergangenheit des Öfteren bei Spielen von Deck13 der viel zu leichte Schwierigkeitsgrad moniert wurde, hat man im zweiten Teil von Jack Keane die Schwierigkeit verschärft und die eine oder andere Kopfnuss eingebaut. Neben den üblichen Schalter- und Schieberätseln müsst ihr auch das eine oder andere Mal eine gehörige Portion Ideenreichtum einsetzen, wenn beispielsweise euer Auto mitten in der Wüste den Geist aufgibt. Da der glorreiche Ingenieur Carl so klug war, den Einfüllstutzen für Kühlwasser unter das Fahrzeug zu montieren, der Fahrzeugheber jedoch bei einer rasanten Verfolgungsfahrt durch die Savanne flöten gegangen ist, müsst ihr kurzerhand die örtliche Werkstatt in Form von Elefanten requirieren, die den Wagen anheben. Dummerweise steht euer Auto mitten in der Sonne, und die Dickhäuter setzen sich viel lieber in den Schatten. Mit Hilfe von tanzenden Affen, deutscher Blasmusik und eurem MacGyver-Taschenmesser müsst ihr einen der Elefanten überreden, auf der Motorhaube Platz zu nehmen.



Während es klassische Point 'n' Click-Adventures eher ruhig angehen, will Deck13 ein wahres Actionfeuerwerk entzünden. So wird nicht nur andauernd auf euch geschossen, auch die eine oder andere Verfolgungsjagd müsst ihr überstehen. Ein ganzer Levelabschnitt spielt beispielsweise auf einem fahrenden Auto. Hin und wieder schlüpft ihr auch aus der Haut von Jack heraus und steuert Eve, Amanda oder Carl. Neben diesen Actioneinlagen, die trotzdem stets dem inoffiziellen Adventure-Kodex - zum Beispiel kann eurer Charakter niemals sterben - folgen, haben die Entwickler auch einige Minispiele eingebaut. Per Kran müsst ihr beispielsweise mit der richtigen Hebelposition eine Kiste positionieren, um weiterzukommen. Kleinere Faustkämpfe runden das Programm ab. In diesen müsst ihr vorher erlernte Kampftechniken zum Einsatz bringen. Bestimmte Gesten erfordern eine entsprechende Antwort, ansonsten landet Jack mit einem gezielten Kinnhaken auf dem Allerwertesten. Unfair wird das Spiel jedoch nie, könnt ihr doch jede Auseinandersetzung bis zum Sieg wiederholen. Ob und welche Spielhilfen eingebaut werden, steht jedoch noch zur Diskussion.

Jump 'n' Run-Passagen sind für ein Adventure ungewöhnlich. Wenn ihr jedoch mal danebenspringt, liegt das nicht an eurer mangelnden Geschicklichkeit, sondern daran, dass euch zum Weiterkommen noch irgendetwas fehlt.

... eine Reise, die ist schön!

Während der Trend in den letzten Jahren wieder in Richtung 2D geht, setzt Deck13 auch weiterhin auf eine 3D-Engine. Die Eigenproduktion namens Fledge-Engine sieht dabei nicht nur auf dem Papier gut aus, sondern macht auch in der Realität einiges her. Das Entwicklerteam spielt dabei sehr gerne mit unterschiedlichen Effekten wie Tiefenunschärfe oder schnellen Kamerawechseln, um dem Titel Lebendigkeit zu verleihen. Trotzdem bewahrt man ein Auge für Details. Die Welt ist hübsch gestaltet und die einzelnen Charaktere wurden mit viel Liebe kreiert. Dass man sich hauptsächlich bei Hollywood-Produktionen in puncto Kameraschnitte und -fahrten bedient hat, kommt dem Titel vielerorts zugute.

Der Soundtrack kommt nicht selten ziemlich bombastisch aus den Lautsprechern - an einigen Stellen noch etwas übertrieben. Hier sollte Deck13 nochmals Hand anlegen. Die englischen Sprecher leisten in der aktuellen Fassung gute Arbeit, für die deutsche Vertonung, die noch nicht fertig gestellt ist, konnten die Sprecher aus dem ersten Teil für alle bekannten Charaktere gewonnen werden.

Ersteindruck von Alexander Boedeker

Jack Keane war ein äusserst humorvolles, aber trotzdem durchdachtes Adventure. Den gleichen Humor hat man sich auch für das zweite Abenteuer unseres Möchtegern-Schatzsuchers beibehalten. Deck13 versteht es dabei, die typischen Eigenarten eines Landes aufs Korn zu nehmen. Der Vorarbeiter im Hamburger Hafen steht beispielsweise für die deutsche Bürokratie und Korrektheit. Aber auch die eine oder andere Parodie auf bekannte Kinofilme lässt sich nicht vermissen. Eine Vorlage, alleine auf Grund der Namensgleichheit unseres Titelhelden, ist natürlich auch Fluch der Karibik.

Die uns gezeigten Rätsel sind einen deutlichen Schwung schwieriger, als man es von Spielen aus dem Hause Deck13 gewohnt ist. Ungewöhnlich sind auch die rasanten Kamerafahrten und einige Levelabschnitte, die beispielsweise mehrere Minuten lang auf Fahrzeugen spielen. Das technische Grundgerüst lässt kaum Kritik zu. Dazu gesellen sich ein erstklassiger Soundtrack sowie hervorragende Synchronsprecher, die wir allerdings nur auf Englisch geniessen durften. Alles in allem erwartet Adventure-Freunde im Spätsommer ein spannendes Abenteuer, welches hoffentlich zeigen wird, dass Deck13 Interactive an alte Erfolge wie Ankh anknüpfen kann.

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