Valhalla Hills PC

Valhalla Hills: Preview

Mit Valhalla Hills füllt Funatics das grosse Vakuum, das Titel wie Die Siedler, Die Völker oder Cultures hinterlassen haben. Zwar soll das neue Wuselspiel erst im 1. Halbjahr 2016 final erscheinen, doch wir haben uns bereits mit der Early-Access-Fassung in die Siedelei gestürzt.

Auf dem Weg nach Walhall

Oh Odin, ist das knuffig! Auf einer kleinen, eigentlich viel zu kleinen Insel machen es sich Bjarne, Ingrid und Gudrun gemütlich und erkunden eine in tollsten Comicfarben gezeichnete Insel. Doof nur, dass sie sich mit einem endlos weiten Meer, ein paar Gräsern und Strauchfrüchten nicht zufrieden geben wollen. Hier kommt ihr ins Spiel: In der Rolle des Gottes Leko, Wächter über eine zunächst winzige Wikinger-Enklave, steuert ihr die Geschicke. Ihr weist den Bau von Hütten zum Übernachten, einem Holzfäller-Camp, einem Steinbruch, später auch einer Bäckerei, Brauerei und einem Waffenlager an. Alles, um eure Wuseluntertanen zu beglücken und letztlich ein Portal (das im Spiel Valhalla heisst) zu öffnen. Aus diesem klettern fiese dämonische Kreaturen, die euren Einwohnern nach dem Leben trachten. Besiegt ihr die Portaldämonen oder besänftigt ihr diese mit Opfergaben, ist der aktuelle Level geschafft und euren Stamm verschlägt es auf eine neue Insel, auf der sich das Spiel wiederholt.

Valhalla Hills Bild

Fairerweise sei darauf hingewiesen, dass Valhalla Hills noch in einem sehr frühen Entwicklungsstadium ist und vieles daher unfertig wirkt – die folgenden Kritikpunkte könnten also im Laufe der Early-Access-Phase noch abgemildert werden oder gar komplett verschwinden. Bevor wir dazu übergehen möchten, loben wir doch erst einmal, was an Valhalla Hills richtig gut ist: der Grafikstil! Oh, es wuselt so knuffig und zuckersüss wie seit den besten Siedler-Tagen nicht mehr. Es ist eine wahre Freude, all euren Untertanen zuzusehen, wie sie Ware beschaffen, Holz fällen, einen Plausch halten oder sich zum Schlafen unter einen Baum packen. Feines Detail: Passt euch ein Name nicht, verpasst ihr dem jeweiligen Kerlchen einfach einen neuen – schliesslich steht ihr ja über den Dingen, die sich auf der Insel abspielen.

Prima auch, dass sich Menuführung und Bedienung fast von selbst erklären. Im oberen linken Eck seht ihr stets, welche Stunde des Tages geschlagen hat und wann die Nacht hereinbricht. Ein kleineres Icon bringt euch via Mausklick sofort zum Startportal, auf dem ihr seht, wie viele Wikinger sich derzeit auf der Insel tummeln, wie viele ihr maximal beherbergen könnt und ob diese in Lohn und Brot stehen, sich als Militär verdingen oder wie doof in der Botanik Luftlöcher glotzen, weil sie unbeschäftigt sind.

Über drei weitere Reiter erhaltet ihr Zugriff auf alle Gebäude des Spiels. Produktionsgebäude sichern die Wirtschaft der Wikinger-Enklave ab, wobei die Startreihenfolge so gut wie überhaupt nicht variiert: Erst ein Holzfällerlager, um wertvolles Holz zu schlagen, danach ein Steinbruch, um robusteres Baumaterial zu erhalten, und eine Fischerhütte beziehungsweise ein Jagdlager, um den Nahrungsnachschub zu gewährleisten. Was anschliessend gebaut wird, obliegt euch und euren wirtschaftlichen Schwerpunkten. Im Logistikreiter warten eine Reihe verschieden grosser Behausungen darauf, den Wikingern ein Dach über den Kopf zu geben, während Pfade zwischen Gebäuden die Laufgeschwindigkeit der Wuselmännchen erhöhen. Verschiedene Lager und Kurierposten zum Warentransport von A nach B runden den zivilen Sektor ab. An Militärgebäuden stehen diverse Armeelager, ein Waffenschmied, ein Nachschublager und die Opferstätte zur Auswahl.

Licht und Schatten in Valhalla

Und hier knüpfen wir an die Negativaspekte der Vorschauversion an: Oftmals habt ihr das Gefühl, als Gott lediglich "Passagier" zu sein und das Geschehen nicht steuern zu können. Ja, ihr bestimmt, welche Gebäude errichtet werden, und vage könnt ihr den Aktionsradius durch das Legen von Pfaden bestimmen. Viel zu oft aber verhalten sich die Untertanen wie die letzten Trottel. Anstatt den Stein zu schlagen, steht der Steinbrecher vor einem massiven Fels und starrt ihn minutenlang an, während um die Ecke der Waffenschmied zwar durchaus weiss, dass die Truppen Bögen und Äxte benötigen, damit allerlei Getier und die Dämonen erlegt werden können, stattdessen aber lieber durch das Dorf rennt, um sich irgendwo hinzulegen und zu ratzen. Katastrophal auch das Duo aus Küche und Bäckerei. Erstere soll die sonst nur bedingt sättigenden Zutaten zu leckeren Mahlzeiten verkochen, schafft es aber höchstens, den Fisch einzubunkern. Der Bäcker ist bestenfalls eine faule Sau und möchte wohl aus lauter Boshaftigkeit nicht, dass genügend Brote auf Halde liegen, um den Hunger zu stillen. Die Folge: euch sterben irgendwann die Bewohner weg. Ob ihr nun genügend Lebensmittel habt oder nicht, bleibt schleierhaft, was zum zweiten grossen Kritikpunkt führt: Statistiken.

Valhalla Hills Bild

Statistiken sind in Aufbauspielen das A und O – ohne fahrt ihr den Themenpark, die Stadt oder (wie in diesem Fall) die Inselwirtschaft gegen die Wand. Valhalla Hills bietet euch nun eine Übersicht aller gelagerten Rohstoffe und Waren – aber keinerlei Anzeigen, wie viel denn von diesem oder jenem benötigt wird. Das verkompliziert die längerfristige Planung; stattdessen fahrt ihr auf Sicht und hofft, dass die fragile Versorgungskette irgendwie hält.

Schwacher Militärteil

Der dritte Punkt betrifft den militärischen Teil des Spiels. Ja, es ist uns bewusst, dass in früheren Funatics-Werken die kriegerische Komponente sehr weit in den Hintergrund gerückt wurde, doch in Valhalla Hills könnt ihr euch bewaffneten Konflikten nicht entziehen. Stossen eure etwas unbeholfenen Wikinger auf Wölfe, ist es zumeist um sie geschehen. Da können nur die Soldaten helfen! Doch ehe sie mit einer Waffe bestückt werden (siehe oben) und den Weg dahin gefunden haben, ist der attackierte Wikinger bereits Geschichte. Das Verlegen des Armeelagers in andere Regionen der Insel verschiebt zwar den Einsatzbereich der Militärs, doch weil die sich gar nicht erst die Mühe machen, auch etwas längere Wegstrecken zum nächsten Proviantlager zurückzulegen, verhungern sie schneller, als sie den Feind in die Flucht schlagen. Der Kampf gegen die Portaldämonen ist eine von zwei Möglichkeiten, um die nächste Insel zu erreichen. Die zweite ist die Errichtung der Opferstätte und die damit einhergehende Opferung verschiedener Ressourcen. Diese zusammenzutragen ist langwieriger als ein Kampf, schont dafür die Nerven.

Valhalla Hills Bild

Bis zur Veröffentlichung der Finalversion haben die Entwickler noch eine Menge Zeit. Vielleicht nutzen sie die für eine echte Kampagne, weil die bisherigen, sehr ähnlichen Missionen lediglich zufallsgeneriert werden und wegen des uniformen Ablaufes keinerlei Spannung erzeugen. Wegfindung, Statistikübersicht, ein Mehrspielermodus, möglicherweise Berufsspezialisierungen wären feine Ergänzungen und Verbesserungen zum aktuellen Stand und könnten dazu beitragen, das Spiel als Glanzpunkt des Genres zu veröffentlichen. Ein grafisches Highlight ist Valhalla Hills aber schon jetzt. Die noch recht frische Unreal-Engine 4 zaubert einen fantastischen Comic-Look auf den Schirm, der dem Charme früherer Siedler-Spiele gerecht wird. Das Artdesign besticht durch viel Herzblut, die Animationen stehen dem in nichts nach, und wenn überhaupt, können wir nur an den verschwommenen Kanten der Objekte am Bildschirmrand oder im weit entfernten Hintergrund Anstoss nehmen. Akustisch präsentiert sich der Titel bislang wenig aufgeregt und solide – wobei wir es bevorzugen, die Hintergrundmusik stummzuschalten und dem Wald-und-Wiesen-Medley der Natur zu lauschen. Kleinere Sprachfetzen unserer Untertanen erinnern uns zudem an die Fantasiesprache der Sims aus der gleichnamigen Spielreihe.

Ersteindruck von Daniel Wendorf

Valhalla Hills als legitimer Nachfolger der Siedler? Wieso nicht? Die Zutaten stimmen, wenngleich der Mix noch nicht zu überzeugen weiss. Gut, es ist lediglich eine Early-Access-Version, für welche die Entwickler einen ganzen Batzen an Änderungen ankündigten. Bei all den Detailvarianzen sollte Funatics nicht vergessen, dass Valhalla Hills möglicherweise das erste Aufbauspiel à la Siedler für jüngere Semester ist und sich gewisse Komfortaspekte seit damals grundlegend änderten. Die Nachvollziehbarkeit, wie welches Produkt produziert wird, welche Anforderungen die kleinen Wikinger stellen und welche Auswirkungen die Gebäudeerrichtung auf das fragile Wirtschaftssystem hat, sollte im Fokus stehen. Eine Kampagne wäre meines Erachtens nach ein weiterer wichtiger Schritt, um Neu- und Wiedereinsteiger für sich zu gewinnen – bislang laufen die zufallsgenerierten Missionen stets nach demselben Schema ab, weshalb es fix zu langweilen beginnt. Viel Gejammere? Na aber! Jedoch auch mit einer tiefen Verbeugung vor dem, was der Titel jetzt schon geschafft hat: den Appetit auf Aufbaustrategie zu wecken. Wir sind gespannt, ob das fertige Spiel aus dem übermächtigen Schatten der Siedler treten kann.

Valhalla Hills Facts

Mehr Informationen
Loading