Aquanox Deep Descent PC

Aquanox Deep Descent: First Look

Lange hat man vom neuen Aquanox-Projekt von THQ Nordic nichts gehört, und für viele Fans der alten JoWooD-Serie war der Titel quasi schon tot, bevor er überhaupt so richtig enthüllt wurde. Auf der gamescom konnten wir dann aber eine überraschend weite Version des Unterwasserspiels begutachten und waren begeistert.

Zwischen Schleichfahrt und Aquanox

Nachdem wir in eine kleine Box geleitet wurden, fragte uns Produzent Norbert Varga vom Entwickler Digital Arrow erst mal, ob wir zuvor Schleichfahrt oder Aquanox gespielt hätten. Nachdem die anwesenden Journalisten alle nickten, war Varga sofort begeistert. Er selbst sei zwar zu jung gewesen, um Schleichfahrt bei Release gespielt zu haben, ist aber sowohl vom alten Blue-Byte-Titel als auch von Aquanox begeistert gewesen. Daher sei er umso nervöser, dass er nun selbst die Serie weiterführen dürfe.

Vargas Begeisterung steckt an, und man merkt, dass er mit Aquanox Deep Descent beide Fanlager zufriedenstellen möchte. Wem Aquanox zu actionorientiert war, der wird beruhigt aufatmen, dass Deep Descent sich hier wieder etwas mehr an Schleichfahrt orientieren wird. Allerdings heißt das nicht, dass wir es hier mit einer Hardcore-Unterwasser-Simulation zu tun haben. Doch die Eigenarten, die der tiefe Ozean mit sich bringt, sollen deutlich mehr in die Gesamtatmosphäre und die Steuerung einfließen.

Das merkt man auch sofort bei der Demo: Wir steuern ein Unterwasserboot, und die starke Trägheit überrascht uns zunächst. Das Schiff zieht nach, verliert erst sehr spät Momentum, wenn man nicht gerade dagegensteuert. Und auch im Kampf wirkt alles eine Prise langsamer, träger und vor allem taktischer. Alle Bewohner der Unterwasserwelt haben Schwachstellen, insbesondere der Bauch der Schiffe wird ein kritischer Punkt sein. So fehlt es den Kämpfen zwar nicht an Action, doch man sollte definitiv behutsam und mit Köpfchen agieren.

Düster mit Kurzsicht auf Licht

Ebenfalls einen Zwischenweg wird man bei der Präsentation gehen: Wem Aquanox zu bunt war, der wird aufatmen können, denn die uns gezeigte Unterwasserwelt ist erfrischend düster. Künstliche Lichtquellen sind lediglich an den vielen Stationen oder Rohren zu sehen, einige Bewohner der Tiefe geben aber auch ein wenig Licht ab. Darüber hinaus wird man neben den offenen Ozeanen auch Höhlen erkunden können, die noch düsterer sind und in denen vor allem schwerer zu navigieren ist. Bei der Sichtweite lotet Digital Arrow noch den besten Kompromiss aus Sichtbarkeit und Atmosphäre aus, doch schon jetzt wirkt das ganze Szenario erfrischend anders und beklemmender als zum Beispiel bei einem Weltraum-Shooter.

Aquanox Deep Descent Bild

Semioffene Spielwelt

Entwickler Digital Arrow weiß, dass er mit der Teamgröße und den Budgets nicht mit Open-World-Größen wie GTA V mithalten kann. Daher wird auch hier ein Mittelweg gegangen. Ähnlich wie damals bei Freelancer oder Privateer, wird der Ozean frei erkundbar sein, sei es auch mit Ladeunterbrechungen zwischen einzelnen Abschnitten. Man wird allerdings keine riesige, endlos erscheinende Welt kreieren, sondern lieber einen kleineren Teich, der dafür umso interessanter gestaltet werden soll. Hier gibt es dann auch freie sowie storyrelevante Missionen, die ihr mit eurem Viererteam annehmen könnt.

Euer Team soll dabei aufgrund der unterschiedlichen Begabungen und Ausrichtungen der Mitglieder herausstechen. Um das etwas mehr zu betonten, werden eure Nicht-Spieler-Kollegen eigene Unteraufgaben bekommen, die ihren Fähigkeiten und Schiffen mehr entsprechen. Falls ihr euch mit künstlicher Intelligenz nicht abfinden wollt, sollt ihr eure Computerkollegen später auch durch Freunde ersetzen können. Geplant ist ein Vier-Spieler-Kooperationsmodus, in dem man die Hauptkampagne zusammen absolviert. Gleichzeitig soll man jederzeit die Spieler wechseln und auch wieder alleine weitermachen können. Ohne Nebenaufgaben sollt ihr euch so immerhin zehn bis zwölf Stunden beschäftigen können, bis die Geschichte abgeschlossen ist. Habt ihr keine Lust mehr auf Einzelspieler, könnt ihr euch im Team-Deathmatch-Modus mit anderen Spielern messen. Aktuell geht man noch davon aus, 16er-Teams anbieten zu können.

Abseits der Hauptgeschichte sollt ihr euch mit weiteren Aufgaben wie Begleitmissionen oder Verteidigungsszenarien unter Wasser halten können. Dabei werdet ihr unterschiedliche Fraktionen treffen, mit denen ihr es euch aber auch verscherzen könnt. Da die Welt aber auch ohne euch weiterlebt, könnt ihr euch vielleicht wieder einschleimen, indem ihr zum Beispiel eine gerade von einer anderen Fraktion angegriffene Basis verteidigt. Auf diese Dynamiken innerhalb der Unterwasserwelt und auf das Leben der KI-Bewohner sind wir besonders gespannt. Hier könnte Digital Arrow wirklich punkten, sollte das System so gut funktionieren, wie man es anpeilt. Dazu kommt, dass ihr eure Schiffe anpassen und erweitern könnt. Neben der Waffen- und Schildausrüstung sind hier vor allem weitere Schiffsteile ein Highlight, da sie neben einigen inhaltlichen Veränderungen auch das Aussehen der Schiffe beeinflussen. Hier ist viel Potenzial für Individualisierung.

Aquanox Deep Descent Bild

Ersteindruck von Patrik Nordsiek

Ich war ja ehrlich gesagt skeptisch, als THQ Nordic damals Aquanox Deep Descent angekündigt hatte. Neben ein paar Konzeptzeichnungen wurde lange Zeit nichts zu dem Spiel gesagt. Im Zusammenspiel mit einem unerfahrenen Entwickler gingen da bei mir die Alarmglocken los. Doch was ich auf der gamescom gesehen habe, stimmt mich mehr als nur optimistisch. Die Schwimm-und-schwebe-Physik ist bereits auf einem guten Weg und hat genügend Charakter, um sich von einem Weltall-Shooter zu differenzieren. Dazu kann Entwickler Digital Arrow bei der Atmosphäre punkten. Das beklemmende Gefühl der tiefen See hat man schon jetzt gut im Griff. Wenn jetzt noch die Welt, die Missionen und vor allem der kooperative Mehrspielermodus, auf den ich mich richtig freue, funktionieren, dann haben wir hier im nächsten Jahr endlich wieder ein richtig gutes Unterwasserspiel.

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