The Other 99 PC

The Other 99: Preview

Als eingefleischter Survival-Fan hat mich die Ankündigung von The Other 99 von den Socken gehauen. Ein Survival-Spiel für Solozocker im Royal-Rumble-Stil, mit Schleichen, Beobachten und lautlosem Töten. Nur um zu überleben natürlich und nur weil man dazu gezwungen wird. Dabei haben 99 weitere Überlebende die gleiche Idee – oder etwa nicht? Jetzt hat der Entwickler Deck13 das Spiel als Early-Access-Titel auf Steam herausgebracht und bezeichnet es selbst als digitales Herr der Fliegen. Aber hält es auch, was es verspricht?

Sadistische Voyeure überall

The Other 99 setzt im Gegensatz zu anderen Survival-Spielen wie Rust, The Long Dark oder The Forrest auf menschliche Nicht-Spieler-Charaktere (kurz: NSCs) als Gegner und zwar 99 an der Zahl. Diese werden von einer ausgeklügelten KI gelenkt und streifen genauso wie man selbst über die Insel, bekämpfen sich gegenseitig und suchen nach Ressourcen, um zu überleben. Als Spieler muss man sich nicht nur gegen die vielen Mitspieler wehren, sondern auch seine Überlebensanzeige im Auge behalten. Denn hat man zu viel Hunger oder Durst, geht die Lebens- und Konditionsleiste schnell nach unten und man läuft Gefahr, zu sterben. Außerdem ist es hilfreich, seine Smartwatch im Auge zu behalten, denn auf ihr sieht man eine Zahl, die anzeigt, wie viele andere Überlebende noch ihr Unwesen auf der Insel treiben.

Die Atmosphäre ist trotz der etwas altbackenen Grafik von Anfang an dicht und erdrückend. So hat es bei unserem ersten Start zu regnen begonnen, was die Sicht enorm einschränkte. Leider merkt man außer dem Regen und einigen beeindruckenden Lichteffekten nicht viel von der sehr leistungsfähigen Unreal-Engine 4. Von den oben genannten Dingen abgesehen, gibt es kaum optische Highlights, was wirklich schade ist. Dennoch schafft es Deck13, den Spieler durchgehend angespannt im Stuhl sitzen zu lassen. Doch das Unheimlichste ist das leise "PLING", das die Smartwatch jedes Mal von sich gibt, wenn der Counter um eine Zahl sinkt. Dieser Ton verrät einem, dass irgendwo auf der Insel gerade irgendwer jemanden umgebracht hat – aber nicht, wo genau. Macht es dann gleich "PLINGPLINGPLING", bekommt man es schon ordentlich mit der Angst zu tun und fragt sich, was da wohl passiert ist.

Der Spieler startet mitten in der Nacht auf dem Boden, sich langsam aufrappelnd und findet einen Zettel vor sich, auf dem das Motto des Spiels steht: "Der einzige Weg von der Insel führt durch die anderen 99." Doch was heißt das? Der Entwickler verspricht verschiedene Herangehensweisen. So kann man sich nicht nur durch seine Gegner kämpfen, sondern sie auch umgehen und sich gegenseitig umbringen lassen oder gar von der Insel fliehen. Während man über die Insel streift, begegnet man immer wieder Zäunen und unzähligen Masten mit sich bewegenden Überwachungskameras, in Stein gekratzte Nachrichten, aber auch gelbe Graffitis, die einem in Pfeilform eine Richtung zeigen. Ist das alles nur ein krankes Experiment oder gar ein sadistisches Big Brother? Ist es klug, den gelben Pfeilen zu folgen, oder führen sie einen nur in den sicheren Tod?

Man stolpert vorsichtig den Weg entlang, nicht wissend, was einen erwartet, bis man die erste Leiche findet. Kurz darauf kommt man an das erste Lagerfeuer, an dem ein lebender Mensch sitzt und schon beginnen die ersten Ärgernisse.

Tolle Idee, aber noch viel Arbeit

Man nähert sich dem Gegner vorsichtig von hinten, und sobald man nahe genug ist, startet das Tutorial für den Kampf. Während man dicht hinter dem sitzenden Gegner alle Schläge des schwer zu perfektionierenden Kampfsystems durchführt, stört dies selbigen überhaupt nicht. Erst wenn man sich in sein Sichtfeld begibt, steht er gemütlich auf, zieht langsam seine Waffe und geht plötzlich brüllend auf einen los. Das ist der erste Moment, wo dem Gegner geschadet werden kann, denn während er sitzt, aufsteht oder die Waffe zieht, ist er scheinbar unsterblich. Gekämpft wird hier nicht mit Klicks, sondern Mausbewegungen. Wird die Maus also nach links gezogen, schlägt der Charakter nach links, fährt man mit der Maus Richtung Bildschirm, stößt er zu. Damit man beim Erforschen nicht ständig zuschlägt, sobald man sich umsieht, wird die Figur auf Tastendruck in den Kampfmodus versetzt, bevor sie angreifen kann. Dies sorgt dafür, dass der Fokus auf den Gegner gerichtet bleibt und man sich somit nicht mehr wegdrehen kann. Das funktioniert leider nur teilweise gut, ist sehr hakelig und alles andere als schnell zu erlernen. Mit Controller funktioniert es aber wesentlich besser und wirkt natürlicher.

Wurde der Gegner erfolgreich besiegt, nimmt man ihm seinen notdürftig als Waffe verwendeten Stock oder Knochen ab und deckt sich mit den überlebenswichtigen Ressourcen ein, die neben dem Sitzplatz in einem Korb liegen. Leider lassen sich bisher weder Waffen bauen, noch sind Ressourcen in der Wildnis auffindbar. Es gilt also, Lagerplätze aufzusuchen, in der Hoffnung, dort eine Konserve oder Flasche Wasser zu finden. Auch begegnet man zwar einigen Hinweisen auf Kontrahenten, die sich weigern zu kämpfen, um sich lieber in einem Bund zusammenzuschließen und gemeinsam eine Lösung zu finden, wie sie von der Insel entkommen können. Gesehen haben wir diese allerdings kein einziges Mal. Außerdem fehlt im Menü bisher der Punkt "Fortsetzen", was bedeutet, dass (zumindest aktuell) auf Speicherpunkte verzichtet wird und ein verlassenes Spiel somit nicht wiederaufgenommen werden kann. Etwas, das wir schmerzlich feststellen mussten, als wir einmal bei einem Counter von 73 eine Verschnaufpause benötigten.

Kritische Käufer könnten auch bemängeln, dass es in den zwei Wochen, die das Spiel jetzt bereits auf Steam verfügbar ist, noch kein Update und keine Nachricht vom Entwickler gab, aber eine Menge Kritik und schlechte Bewertungen von Spielern, die sich hauptsächlich über die hakelige Steuerung und fehlenden Features beklagen. Wie immer vergessen viele dabei, dass es sich noch in der Early-Access-Phase befindet und der Entwickler auch noch viel mit dem Spiel vorhat.

Ersteindruck von Saskia Meijer (PC)

Ich kann mir gut vorstellen, dass die Entwickler mit diesem Spiel eine neue Art des Survival-Horrors schaffen können, aber bis dahin ist es noch ein weiter Weg. Von den versprochenen Mechaniken und Inhalten ist bisher wenig vorhanden und das merkt man. Schwere Entscheidungen habe ich bisher noch keine fällen müssen, da wirklich jeder angreift. So war ich noch nie in dem moralischen Zwiespalt, wehrlose und friedliche Menschen zu töten, nur damit mein Counter runtergeht, oder sie doch als potenzielle Gefahr weiterleben zu lassen. Von den "Gefahren", die von dieser Insel ausgehen sollen, sind mir bisher nur schwer zu erkennende Klippen aufgefallen, von denen ich schon das eine oder andere Mal unabsichtlich beim Umschleichen eines Lagers in den Tod stürzte. Des Weiteren ist die Story leider noch recht dürftig beleuchtet, und die interessantesten Spielmechaniken wie Stealth-Kills, Fernkampf, Crafting, das Aufstellen von Fallen sowie ein Speichersystem fehlen noch komplett.

Aber all diese Punkte stehen bereits auf einer Checkliste für zukünftige Updates und wenn der Entwickler es schafft, diese abzuhaken, dann wird The Other 99 ein atmosphärischer, fordernder und durchweg spannender Survival-Krimi, der sich mit neuen Ideen von der Masse abheben kann.

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